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Warum Clowns nicht lustig, sondern gruselig sind

Clowns sollen Kinder in Krankenhäusern trösten und im Zirkus zum Lachen bringen. So richtig klappt das aber nicht. Denn die Spaßmacher haben eine Eigenschaft, die viele eher gruseln lässt als lachen.

 

Karina J. war 21 Jahre alt, als sie eines Tages wie immer mit dem Auto von der Arbeit nach Hause fuhr. An einer roten Ampel hielt sie an, warf einen Blick in den Rückspiegel – und erschrak fürchterlich.

Im Auto hinter ihr, einem gelben VW Käfer, saß ein Clown mit grünem, wirrem Haar und dem typischen Clowns-Make-up: grell geschminkte Augen in Schwarz-Weiß, ein riesiger lächelnder Mund und knallrote Punkte auf den Wangen.

Karina erschrak so sehr, dass sie kurz rechts ranfahren musste, ihr Magen war flau, und ihr Herz klopfte wie verrückt. Jedes Mal, wenn sie daran denkt, sieht sie ihn wieder, den Clown mit den grünen Haaren, und jedes Mal macht es ihr Angst. “Ich weiß nicht, ob ich dieses Bild jemals wieder loswerde”, sagt sie.

Was verbirgt der Clown hinter seiner grellen Maske?

Karina hat Angst vor Clowns, immer schon, seit sie mit acht oder neun Jahren den ersten Clown bei einer Vorführung gesehen hatte. Sie redet darüber nicht oft, weil die Leute denken, es sei ein Scherz – und sie dann erst recht auf Clowns hinweisen oder damit aufziehen.

Doch die Angst ist real und stark. Es muss noch nicht einmal ein echter Clown sein. Auch ein Foto oder eine Illustration von einem Clown kann sie den ganzen Tag verfolgen, oft bis in ihre Träume hinein.

“Ich glaube, das Gruselige für mich ist der Eindruck, dass Clowns etwas Dunkles, Makaberes hinter ihrem Make-up verbergen”, sagt sie. “Und dass sie dazu da sind, lustig und nett zu sein und Leute zum Lachen zu bringen, das macht es nur noch schlimmer.”

Natürlich weiß sie, dass hinter der Maskerade meist ein harmloser Student sitzt, der sich nur etwas Geld dazuverdienen will. Aber ihm nah sein oder den Clown ansehen will Karina trotzdem nicht.

Fast menschlich – aber eben nur fast

Auch wenn nur wenige einen solchen Horror vor den Spaßmachern entwickeln – viele finden Clowns irgendwie seltsam. So zeigte eine Studie der englischen University of Sheffield bei einer Befragung von 250 Kindern im Alter zwischen vier und 16 Jahren, dass die meisten von ihnen Clowns überhaupt nicht mochten und sich sogar vor ihnen fürchteten.

Die Frage war, ob die Kinder im Krankenhaus gemalte Clownbilder an den Wänden haben wollte. Nicht nur die jüngeren Vorschulkinder waren dagegen, weil sie Clowns eher gruselig fanden, sondern auch die ältesten, die sich bereits in der Pubertät befanden. Selbst Erwachsene stehen Clowns oft mit gemischten Gefühlen gegenüber.

Das erklären kann der sogenannte Uncanny-Valley-Effekt. Der japanische Robotikforscher Masahiro Mori prägte im Jahr 1970 diesen Begriff. Er besagt, dass Figuren, die fast menschlich aussehen und sich auch so bewegen, sich aber durch Kleinigkeiten als nicht “normal” menschlich verraten, beim Beobachter Abscheu oder Angst hervorrufen.

Er bezog sich dabei auf Roboter oder Avatare, das Prinzip gilt aber auch darüber hinaus. Horrorfilme etwa spielen gern mit dem Uncanny-Valley-Effekt, etwa bei Zombies, die auf den ersten Blick wie Menschen aussehen, aber durch ihre ruckartigen stereotypen Bewegungen verraten, dass mit ihnen irgendetwas nicht stimmt.

Der Clown war immer eine tragische Figur

Grundsätzlich sind Menschen extrem empfindlich gegenüber Ausdrucksverhalten, das irgendwie fremd oder abweichend wirkt – es ist eine Art Schutzfunktion, weil solche Abweichungen oft bei Menschen auftreten, die tatsächlich sozial auffällig oder psychisch krank sind.

Clowns, mit ihrer auffälligen, das wahre Gesicht und den wahren Gesichtsausdruck überdeckenden Maskerade provozieren genau diesen Effekt. Auch deshalb sind Clowns den Produzenten von Horrorfilmen schon als potenzielle Kandidaten mit Gruselpotenzial aufgefallen.

Andrew Stott, der an der State University of New York zu Clowns und Pantomime forscht, sagt, dass die Angst vor Clowns aber auch aus der Geschichte des Narren herrührt. Im Mittelalter war er jemand, der andere an ihre Unzulänglichkeit und ihre animalische Seite erinnerte, daran, wie dumm, lächerlich und unlogisch sie manchmal agierten.

Und der Clown selbst war keine lustige, sondern eher eine tragische Figur: Brachte er seinen Herren nicht zum Lachen, bezahlte er oft teuer dafür. Einige Clowns wurden sogar absichtlich am Mund verstümmelt – sodass ihnen das Lachen danach lebenslang ins Gesicht geschrieben stand.

© WeltN24 GmbH

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