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Das verfluchte Geisterhotel Waldlust im Schwarzwald

Früher gingen hier in Deutschland Könige und Weltprominenz ein und aus, aber heute ist das einstige Nobel-Hotel Waldlust im Kurort Freudenstadt verlassen. Angestellte berichteten von erneuten Sichtungen von Geistern in den Räumlichkeiten des Hotels.

Man sprach von einem Fluch, der auf dem Haus laste, und von Geistern verlorener Seelen, die das Hotel nicht verlassen könnten. Eine ehemalige Geschäftsführerin des Hotels  berichtete, habe sich zu ihrer Zeit etwas Unerklärliches zugetragen: “Wir hatten mal Gäste – da war die Frau ziemlich erschrocken. Sie hat gebadet und dachte, ihr Freund würde ins Badezimmer kommen und sie von hinten anfassen. Und sie drehte sich um, und dann war niemand da, ihr Freund lag auf dem Bett.” Daraufhin sei das Paar sofort abgereist. So wechselte das Hotel über die Jahre viele Male seinen Besitzer, stand viele Jahre leer, bis es im Jahr 2005 endgültig seine Pforten schloss. Die Möbel stehen noch, prächtige Säulen zeugen von einer prunkvollen Zeit. Jedoch soll es darin spuken. Ein Ort unerlöster Seelen. So einige Geisterjäger waren hier schon auf Besuch und Spurensuche.

Entstehung des Schlosshotels

1876 gab der damalige Stadtschultheiß Hartranft die Absicht bekannt, Freudenstadt mit seiner reinen Luft zum Kurort zu machen. Das Vorhaben gelang, und gegen Ende des 19. Jahrhunderts setzte ein stetig wachsender Kurbetrieb ein. Zu den bekanntesten Hotels jener Zeit gehörten das Hotel Rappen, das Schwarzwaldhotel Waldlust der Hotelier-Familie Luz und das Hotel Palmenwald des Stuttgarter Unternehmers Lechler. Insgesamt gab es um 1930 rund 20 Hotels in der kleinen Stadt, davon fünf der höchsten Kategorie. Freudenstadt war als Kurort weltweit bekannt und zog Gäste wie den englischen König Georg V., die schwedische Königin, John D. RockefellerMark Twain oder den Sultan von Selangor an.

Das Schlosshotel war damals eines der Häuser für die High Society. 1902 öffnete das Grand Hotel seine Tore. Fürsten, Sultane, Könige – der Hochadel ging ein und aus. 1926 residierte der Nazi-Sympathisant König Gustav V. von Schweden und die Königin Mutter der Niederlande im Schlosshotel. In den 1930er-Jahren auch Filmstars wie die weltbekannten Stummfilm-Schauspieler Douglas Fairbanks und Mary Pickford.

Der Untergang des Hotel Waldlust

Im zweiten Weltkrieg kam dann der Wandel: Während des Krieges diente das Hotel als Lazarett, die luxuriösen Zeiten waren vorüber. Im Freudenstädter Lazarett wurden viele Verwundete behandelt.

Hitlers einwöchiger Besuch in Tannenberg und Freudenstadt 1940 nach dem Frankreichfeldzug anlässlich der Einweihung des Hauptquartiers wurde in Wochenschauberichten propagandistisch dargestellt. Damit wurde Freudenstadt samt Umland in Frankreich zu einem Symbol des Naziregimes und der französischen Niederlage, was 1945 im “totalen Krieg” noch eine gewichtige Rolle spielen sollte. Heftige Kämpfe um die Stadt gab es in Folge. Am 16. April 1945, nur wenige Wochen vor Kriegsende, wurde die Stadt unerwartet von Truppen der 1. französischen Armee unter General Lattre de Tassigny angegriffen, wobei es durch Bombenabwurf und Artilleriebeschuss zu großflächigen Zerstörungen kam. Freudenstadt war Knotenpunkt des französischen Vordringens Richtung Stuttgart wie zum Hochrhein, während die Amerikaner im Rhein-Maingebiet nach Osten vorgingen. Die Wehrmacht hatte vier Stunden vor dem Einmarsch der Franzosen in Freudenstadt eines der drei Fachwerkviadukte der Bahnstrecke Eutingen im Gäu–Freudenstadt gesprengt, da die Bahnlinie nicht dem Feind in die Hände fallen sollte. Der französische Heeresbericht nennt eine Abteilung der SS – nach deutschen Quellen ein Dutzend sogenannter Werwölfe, Freischärler-Untergrundkämpfer, die vor der Stadt eine Sperre errichtet hatten. Freudenstadt geriet, mit Unterbrechungen, etwa 16 Stunden lang unter Artilleriefeuer und Bombenabwurf. Kein Einwohner wagte es, den französischen Truppen zur Übergabe der Stadt entgegenzugehen, umgekehrt rechneten diese mit erheblichem militärischen Widerstand. Da die Hauptwasserleitung durch US-amerikanische Luftangriffe und die wichtigsten Feuerwehrwagen durch Artilleriebeschuss zerstört worden waren, konnten sich Feuer nahezu ungehindert ausbreiten. Teilweise wurde Gülle zum Löschen verwendet. Eine Übergabe fand erst statt, als die französischen Truppen bis zum Rathaus vorgerückt waren. Es gab einige Dutzend zivile Opfer; etwa 600 Gebäude, 95 Prozent der gesamten Innenstadt, wurden in der Nacht vom 16. auf den 17. April direkt oder indirekt zerstört und 1.400 Familien obdachlos. Beim Einmarsch der französischen Truppen und in den folgenden drei Tagen kam es zu vielzähligen, heftigen Übergriffen durch marokkanische Einheiten. Nach Angaben der Ärztin Renate Lutz seien allein bei ihr über 600 vergewaltigte Frauen in Behandlung gewesen. Auf Vorhaltungen habe die Zivilbevölkerung laut Berichten von Zeitzeugen auch die Antwort erhalten, es sei Krieg, Freudenstadt müsse drei Tage brennen.

Geistessichtungen & Unerklärliche Ereignisse

Viele Soldaten sollen zu dieser Zeit in dem Haus gestorben sein. Von da an spannen sich Gerüchte über Geister um das Haus: Bereits im Jahr 1949, wie es von verschiedenen Seiten heißt, habe die damalige Besitzerin davon berichtet, Geister gesichtet zu haben. Heute verstecken sich hinter jeder Tür antike Relikte aus dieser vergangenen Zeit: ein märchenhaftes Himmelbett, alte Ohrensessel, verstaubte Bücher – verwunschen und doch gespenstisch. Wulstige Marmor-Säulen werfen schwere Schatten durch den finsteren Tanzsaal im Untergeschoss. Strom und Wasser fließen hier nicht mehr. Die Rohre sind von der Kälte zerborsten. Das Waldlust ist ein gruseliger Abenteuer-Spielplatz mit Spuk-Geschichte.

Hotel Waldlust

Wackelnde Gläser in der Bar, halbleere, aber dennoch verschlossene Bierflaschen, heruntergefallene Bilder. Eine vorbeihuschende Frau mit weißem Schleier, die viele für Adi halten. Plötzlicher Kälteschauer und Modergeruch. Ein schreiendes Baby in der Nacht, obwohl kein Gast mit Baby da ist. Die Liste der Erlebnisse der Bediensteten ist lang. Auch der Aufzug soll unentwegt und ohne jeden Grund immer wieder auf und ab gefahren sein, Schritte auf dem Flur seien zu hören gewesen – obwohl kein Mensch in der Nähe war. Elektro-Geräte funktionierten plötzlich nicht mehr, und später liefen sie wieder, als wäre nichts gewesen. Von zwei Ölgemälden berichten verschiedene Angestellte immer wieder.

Seine fulminante Blütezeit hatte das Hotel im Familienbetrieb unter Adele B., genannt „Adi“. Sie  lockte mit Tanzveranstaltungen und Kongressen die illustre Gesellschaft. 1949 soll sie im Hotel gewaltsam zu Tode gekommen sein. Seither treibe sie hier ihr Unwesen, heißt es. Ein Bild von Adi in jungen Jahren, das damals noch im Treppenhaus hing, und ein Gemälde eines Geistlichen, das die Belegschaft nur „Den Bischof“ nennt. Beide Porträtierten „sollen ihren Gesichtsausdruck wandeln, je nach Zuwendung des Betrachters – im Fall des Bischofs etwa, wenn man ihm die Wange streichelt“, heißt es im Forschungsbericht. Die Angestellten glaubten fest daran. Auch alte Eigentümer sollen geraten haben: „Wenn du bei der Adi vorbeikommst, dann rede auch mit ihr!“ Schließlich sei sie ja der Hausgeist. Besonders zum Ende der prunkvollen Zeiten des Hotels berichteten Bedienstete von bösen Vorzeichen: Eine zersplitterte Glühbirne im 13-armigen Kronleuchter im Bereich der Rezeption, von dem nur zwölf Arme brannten, habe nichts Gutes bedeutet: Kurz darauf sei entweder ein böser Anruf vom Finanzamt gekommen, ein Gast mit einem gebrochenen Zeh aufgetaucht, oder es sei zu einem Wasserrohrbruch gekommen. „Aber nur, wenn ’ne Glühbirne kaputt geht!“, sagte eine Angestellte 2005 Freiburger Wissenschaftlern. Ein Freudenstädter Verein sucht unerschrockene Investoren für das vom Verfall bedrohte Haus.

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