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Serienmörder / Massenmörder

Der Todespfleger von Sonthofen – Deutschlands größte Mordserie

In Krankenhäusern ist die Schwelle zwischen Leben und Tod nur gering. Die Patienten vertrauen Ärzten und Pflegern ihr Leben an und denken es wird alles getan um ihnen zu helfen. Keiner würde damit rechnen im Krankenhaus ermordet zu werden, doch dies kommt öfter vor als viele denken. Der Krankenpfleger Stephan Letter hat das Vertrauen seiner Patienten missbraucht – und sie eiskalt ermordet.

Wer war Stephan Letter?

Stephan Letter wurde am 17. September 1978 in Herdecke geboren. Zwischen August 1998 bis Juli 1999 machte er eine Ausbildung zum Rettungssanitäter im Rahmen seines Zivildienstes. Im Anschluss absolvierte er seine Ausbildung zum Krankenpfleger am Klinikum Ludwigsburg. Am 6. Januar 2003 trat Letter seine Arbeit als Krankenpfleger in der Klinik Sonthofen in Bayern an. Kurz darauf beging er seinen ersten Mord. Zwischen dem 2. Februar 2003 und dem 10. Juli 2004 tötete er 29 Patienten im Alter zwischen 40 und 95 Jahren indem er ihnen einen giftigen Medikamentencocktail verabreichte.

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Stephan Letter

29 vorsetzliche Morde

Es war die größte Tötungsserie in der deutschen Nachkriegsgeschichte. 29 Patienten starben im Sonthofener Krankenhaus an einem Medikamentencocktail, der ihnen laut Staatsanwaltschaft “selbstherrlich und nach eigenen Maßstäben” von ihrem Pfleger Stephan L. gespritzt wurde. Seit gestern steht der “Todespfleger” vor dem Landgericht Kempten.

Die fast beispiellose Anklage: 16facher Mord, zwölffacher Totschlag und eine Tötung auf Verlangen. 17 Frauen und zwölf Männer im Alter von 40 bis 95 Jahren erlagen zwischen Februar 2003 und Juli 2004 der tödlichen Kombination aus Narkose- und Muskellähmungsmitteln. Nicht alle Patienten waren sterbenskrank, einige standen sogar vor ihrer Entlassung.

Der Krankenpfleger kommt adrett im schwarzen Anzug, aber blass in den Gerichtssaal und vermeidet jeden Blickkontakt zu den Hinterbliebenen der Opfer. Als Staatsanwalt Peter Koch die Anklage vorliest, macht Stephan L. sich hin und wieder Notizen, schluckt gelegentlich, knetet die Hände, schaut aber kaum auf.

Der Pfleger habe “Herrschaft über Leben und Tod” ausüben wollen, sagt Koch. In den zwölf Fällen von Totschlag gehe die Staatsanwaltschaft aber von Mitleid als Motiv aus, weil es sich um schwerst- bis todkranke Patienten gehandelt habe. Nur in einem Fall erkannte die Staatsanwaltschaft eine minderschwere Tötung auf Verlangen an, da der Pfleger Todeswünsche einer an der Galle operierten Rentnerin missverstanden habe: Die Patientin litt an Depressionen.

Nach einer Stunde erhält der Angeklagte das Wort. Sein Gesicht hat rote Flecken bekommen. Er liest mit verhaltener Stimme eine schriftliche Erklärung vor: “Ich wollte den Patienten Leid ersparen und sie aus der Ausweglosigkeit befreien.” Erst im Gefängnis sei ihm das Ausmaß seines Handelns voll zu Bewusstsein gekommen, nachdem er Gespräche mit seinem Vater, einem Pfarrer, und seinem Anwalt geführt habe. “Ich bekenne meine Schuld”, sagt er und bittet die Hinterbliebenen im Saal um Verzeihung. “Ich habe die Patienten sterben lassen und ihnen ungefragt den Rest des Lebens genommen.”

Nüchtern trägt Stephan L. seinen Text vor, versucht in geschliffenen Worten zu erklären, daß er aus “aufrichtig empfundenen Mitleid” für seine Opfer gehandelt und sich in eine ausweglose Situation begeben habe. Selbst die Beziehung zu seiner damaligen Verlobten führt er an. “Ich war bereit, für sie alles zu tun.”

Die Hinterbliebenen zweifeln an seiner Reue. “Er wirkt auf mich kalt und berechnend”, sagt die Enkelin eines Opfers. Die Entschuldigung sei “absoluter Hohn, für mich ist es Mord”. Den Vorwurf der Heimtücke weist der Pfleger zurück: Er habe niemals eigensüchtige Interessen verfolgt. Er habe sich nicht durch Töten die Arbeit erleichtern wollen, um etwa schwierige Patienten loszuwerden. Vehement streitet der Pfleger ab, einen 68 Jahre alten Patienten auf der Kliniktoilette mit einer Todesspritze ermordet zu haben, nachdem er dessen stark verschmutztes Bett reinigen mußte.

Stephan L. widerruft in diesem Punkt sein Geständnis, das er nach seiner Festnahme am 29. Juli 2004 gemacht hatte. Die Verteidigung fordert, seine früheren Aussagen nicht als Beweismittel zuzulassen. Grund: Die Polizeibeamten hätten ihn mit Täuschungen zum Reden gebracht.

Der Fall war aufgeflogen, weil er Medikamente für die Spritzen aus den Beständen der Klinik gestohlen hatte. In einem weiteren Verfahren soll geklärt werden, ob die Kontrollen in dem Krankenhaus ausreichten. Die Staatsanwaltschaft wirft einem Arzt fahrlässige Tötung vor.

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