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Schreie aus dem Erdinneren: Russlands Tor zur Hölle

1989 wurden bei einer Erdbohrung in Russland merkwürdige Geräusche aus dem Inneren der Erde aufgenommen, die sich nach gequälten, menschlichen Schreien anhören. Ist dies etwa das Tor zur Hölle? Oder war alles ein großer Scherz?


Die Kola-Bohrung

Im kalten Krieg begann ein Wettstreit zwischen den USA und der Sowjetunion, wer als erstes auf dem Mond landen würde. Wir wissen, dieses Rennen hat die USA für sich entschieden. Deswegen wollte die UdSSR einen anderen Rekord aufstellen – das tiefste Loch der Welt bohren, bis zum Mittelpunkt der Erde! 1970 starteten die sowjetischen Forscher dieses Megaprojekt auf der russischen Halbinsel Kola in der Nähe der Stadt Murmansk. Den Mittelpunkt der Erde haben sie natürlich nicht erreicht, trotzdem hält das Kola-Bohrloch seit 1989 mit 12.262 Metern den Weltrekord der tiefsten Bohrung. Außerdem versprachen sich die Forscher durch die Untersuchung dieser tiefgelegenen Gesteinen neue Informationen über die Beschaffenheit der Erdkruste.


Der gruselige Zwischenfall

Schon früh machten die Forscher erstaunliche Entdeckungen. In einer 3000 Meter tief gelegenen Gesteinsschicht fanden sie eine sonderbare Substanz, die fast völlig identisch mit Mondgestein war. Sechs Kilometer darunter stießen sie unerwartet auf Gold. Außerdem mussten sie feststellen, dass es im Erdinneren viel heißer war, als sie vorher berechnet hatten. 1989 erreichte der Bohrer den tiefsten Punkt der Bohrung, doch dort herrschen nicht wie angenommen 100, sondern 180 Grad Celsius. Diese unerwartete Hitze bereitete den Forschern und dem weiterem Vorankommen des Projektes große Schwierigkeiten.

Kurz darauf ereignete sich, laut Gerüchten, der merkwürdige Zwischenfall. Der Bohrer sollte nun eine Tiefe von 14 km erreicht haben, als der Bohrkopf plötzlich durchdrehte, wie wenn er auf einen Hohlraum getroffen wäre. Außerdem wurde eine angebliche Temperatur von 1100 Grad Celsius gemessen. Die durchaus verwirrten Forscher haben deswegen hitzeresistente Messgeräte und ein Mikrofon in den Schacht hinabgelassen. Durch das Mikrofon vernahmen sie merkwürdige Klänge und Geräusche, die sie zuerst für ein Störsignal hielten. Nachdem die Forscher die Tonaufnahmen nachbearbeitet hatten, muss ihnen wohl ein kalter Schauer über den Rücken gelaufen sein. Die grausige Enteckung: die Geräusche hörten sich an wie menschliche Schreie, aus Tausenden gequälten Kehlen zugleich!

In diesem Video (Englisch) könnt ihr das Bohrloch von innen sehen und die Tonaufnahmen hören:


Gerüchte und ein großer Scherz

Schnell verbreiteten sich die Geschichten über den Zwischenfall und brachte noch weitere Gerüchte über die angeblich entdeckte Hölle hervor. Als erstes sollen die Ergeignisse als Leserbrief in einer finnischen Zeitung aufgetaucht sein und wurde auch von dem religiösen Fernsehnetzwerk TBN in der USA aufgegriffen und als Sensation verbreitet.

Kurz nach Weihnachten 1989 besuchte der norwegische Lehrer Åge Rendalen seinen Freund den Pastor Rick Kuykendall in Kalifornien. Die beiden hatten zusammen Theologie studiert, doch Rendalen hatte sich von der Religion abgewandt. Kuykendall erzählte seinem alten Freund lachend von einem Fernsehbericht über die angeblich angebohrte Hölle auf dem Sender TBN. Zusammen schalteten sie den Fernseher ein und sahen zufällig eine Wiederholung dieser Sendung. Beide amüsierten sich köstlich über die ausgestrahlte Sendung und die angebliche Entdeckung.

Beim herumalbern fasste Rendalen einen Plan: “Ich beschloss herauszufinden, wie weit ich die Leichtgläubigkeit dieser Menschen strapazieren konnte. Es war ein Experiment, um rauszufinden ob sie alles annehmen würden, solange es zu ihrer Weltsicht passt.” 

 

Die Idee eines groß angelegten Scherzes entstand. Am 4. Januar 1990 schrieb er einen Leserbrief an TBN, in dem er sich als “Spezialberater des norwegischen Justizministeriums” ausgab und die schauerliche Geschichte noch ausbaute: In der Nacht nach den Tonaufzeichnungen, so berichtete Rendalen, sei plötzlich eine Säule aus phosphoreszierendem Gas aus dem Bohrloch geschossen. Dann sei aus den Wolkenmassen eine strahlende Gestalt mit Fledermausflügeln aufgetaucht, und am Himmel erschienen die Worte “Ich habe erobert“. Daraufhin sollen alle Mitarbeiter fluchtartig den Bohrturm verlassen haben. Als Beleg seiner Geschichte fügte Rendalen seinem Brief einen norwegischen Artikel aus dem Lokalblatt “Asker Baerums Budstikke” bei.

Rendalen erinnert sich: “Tatsächlich handelte der Text von einem Bauinspektor, der sich beschwerte, sein Arbeitgeber habe seine Meinungsfreiheit beschnitten. Ich wählte den Artikel, weil er auf dem Foto so verschwörerisch den Zeigefinger vor die Lippen hielt. Dann fügte ich die angebliche Übersetzung hinzu.”

In dieser angeblichen Übersetzung bestätigte der leitende Geologe der Forschung, Bjarne Nummedal nicht nur Rendalens Geschichte sondern berichtete außerdem noch von Schweigegeldern, Morddrohungen und einer Pille, die das Kurzzeitgedächtnis löschen sollte, um die Mitarbeiter unschädlich zu machen.

Zwei Wochen später meldete sich der Sender TBN zurück. Einem Mitarbeiter des Senders ist die Übersetzung merkwürdig vorgekommen und daraufhin räumten Rendalen und Kuykendall ein, dass sie sich einen Scherz erlaubt hatten. Das hielt den Sender aber nicht davon ab, die Lügengeschichte weiter zu verbreiten und schnell berichteten viele Medien, teilweise sogar seriöse Tageszeitungen, in der ganzen USA und der Welt über die Entdeckung der Hölle. Obwohl Rendalen immer wieder Interviews und Stellungnahmen zu seinem Märchen gab, halten sich die Gerüchte bis heute immer noch hartnäckig.


Was ist wirklich passiert?

Was nun wirklich passiert ist, ist nicht wirklich klar. Die hohen Temperaturen wurden wahrscheinlich wirklich gemessen und auch die Aufzeichnung der merkwürdigen Geräusche gibt es. Doch auf den Aufnahmen hört man, laut den Wissenschaftlern, keine Schreie sondern Echos von seismischen Aktivitäten, also normale Geräusche die aufgrund der Verschiebung der Erdplatten entstehen. 1992 musste das Projekt beendet werden, da die unerwartet hohen Temperaturen den Wissenschaftlern bei ihrer weiteren Forschung große Probleme bereiteten. Der Bohrturm steht heute noch und verfällt als gruseliger Lost-Place.

Auch wenn es unwahrscheinlich ist, dass die Forscher wirklich die Hölle angebohrt haben, ist es doch eine ziemlich gruselige Geschichte und die Geräusche sind erschreckend und beängstigend.

 

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Lunaxia

Hallo, ich bin Lunaxia Ich bin Chefredakteurin bei Horror Fakten. Im wirklichen Leben heiße ich Vanessa, bin 26 Jahre und komme aus Bayern. Seit meiner Kindheit bin ich schon Horrorfan, angefangen mit den Gänsehautbüchern und Filmen wie "the Ring". Heute interessiere ich mich sehr für Übernatürliches und die menschliche Psyche. "Ihr lacht über mich, weil ich anders bin. Ich lache über euch, weil ihr alle gleich seid"
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